Wofür soll der Wassertank dienen?
Bevor Sie rechnen, klären Sie den Verwendungszweck. Ein Tank, der nur den Garten versorgt, braucht ein deutlich kleineres Volumen als eine Anlage, die zusätzlich die Toilettenspülung und die Waschmaschine speist. Typische Einsatzbereiche sind die Gartenbewässerung, die Reinigung im Außenbereich und die Toilettenspülung.
Regenwasser ersetzt im Haus kein Trinkwasser. Es ist nicht für Speisen, Getränke oder die Körperpflege bestimmt. Wer eine Anlage plant, muss das Regenwassernetz deshalb konsequent vom Trinkwassernetz trennen. Dazu später mehr.
Schreiben Sie vorab auf, welche Zapfstellen, Geräte und Gartenflächen die Anlage versorgen soll. Diese Liste bestimmt den Bedarf und damit die gesamte Rechnung.

Wie viel Wasser braucht ein Haushalt?
Der durchschnittliche Wassergebrauch der Bevölkerung lag laut BDEW im Jahr 2024 bei 122 Litern pro Einwohner und Tag, im Jahr 2020 bei 129 Litern. Beide Werte beziehen sich auf Haushalte und Kleingewerbe. Sie sind Durchschnittswerte und zeigen nur eine Größenordnung. Ihren eigenen Verbrauch ermitteln Sie aus der Wasserrechnung: Jahresverbrauch in Litern, geteilt durch 365 und durch die Zahl der Personen.
Für die Regenwassernutzung zählt allerdings nur der Teil, der kein Trinkwasser sein muss. Das Bayerische Landesamt für Umwelt geht davon aus, dass nur etwa die Hälfte des Haushaltswassers Trinkwasserqualität haben muss. Für die Planung setzen Sie deshalb die Hälfte des Verbrauchs an, der auf Garten, Toilette und Reinigung entfällt.
Beispiel: Vier Personen mit 122 Litern ergeben 488 Liter am Tag. Die Hälfte sind 244 Liter am Tag, also rund 89.000 Liter im Jahr (244 × 365 = 89.060).
Wie viel Regenwasser liefert das Dach?
Die Rechnung folgt einer einfachen Formel:
Jahresertrag in Litern = Auffangfläche in m² × Abflussbeiwert × Jahresniederschlag in mm
Die Formel funktioniert, weil 1 Millimeter Regen auf 1 Quadratmeter genau 1 Liter ergibt. Sie setzen den Niederschlag also direkt in Litern pro Quadratmeter ein. Die Auffangfläche ist die Dachfläche, von der das Wasser in die Leitung läuft. Fragen Sie Ihren Planer, ob er die Grundfläche oder die Schrägfläche ansetzt.
Den Jahresniederschlag erfahren Sie für Ihren Ort beim Deutschen Wetterdienst. Er schwankt regional stark, deshalb taugt kein pauschaler Wert für ganz Deutschland.
Das Ergebnis ist eine Obergrenze. Filter, Verdunstung, das Verwerfen des ersten Spülwassers und Leitungsverluste senken den tatsächlichen Ertrag. Planen Sie deshalb mit einer Reserve.
Welcher Abflussbeiwert passt zu Ihrem Dach?
Der Abflussbeiwert gibt an, welcher Anteil des Niederschlags von der Dachfläche tatsächlich abläuft. Er liegt zwischen null und eins, denn ein Teil des Wassers bleibt haften, verdunstet oder wird vom Dachaufbau aufgenommen.
Die Höhe hängt von Deckung, Neigung und Aufbau ab. Ein glattes, geneigtes Dach gibt mehr Wasser ab als ein Gründach oder ein Dach mit Kiesschüttung. Die Entwässerungsnorm DIN 1986-100 enthält Tabellenwerte für solche Fälle. Lassen Sie den Wert für Ihre Anlage vom Planer festlegen und prüfen Sie die Angaben in der Herstellerdokumentation, bevor Sie die Rechnung abschließen.
Begrünte Dächer und Kiesdächer rechnen Sie mit einem niedrigeren Wert als Dächer mit Ziegel- oder Metalldeckung. Die Dachbeschaffenheit betrifft außerdem die Wasserqualität, dazu im Abschnitt zu Bau und Betrieb.
Wie groß muss der Speicher sein?
Zwei Größen bestimmen den Speicher: die Menge, die das Dach im Jahr liefert, und die Zeit, die der Tank eine Trockenperiode überbrücken soll. Das Bayerische Landesamt für Umwelt setzt für Ein- und Zweifamilienhäuser ein erforderliches Volumen von etwa 800 bis 1.000 Litern pro Person an. Dieser Wert ist eine Planungsgrundlage aus Bayern und keine bundesweite Vorschrift.
Mit dem Tagesbedarf prüfen Sie die Reichweite. Speichervolumen geteilt durch den täglichen Verbrauch ergibt die Zahl der Tage, die der Tank ohne Zufluss reicht. Eine Reserve für lange Trockenheit im Sommer ist sinnvoll, weil dann der Gartenbedarf am höchsten ist.

Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus
Die folgenden Werte sind fiktive Annahmen für die Rechnung und keine Normwerte:
- vier Personen mit einem Bedarf von 244 Litern am Tag für Garten, Toilette und Reinigung,
- Auffangfläche von 120 m²,
- Abflussbeiwert von 0,8 als Annahme für ein geneigtes Ziegeldach,
- Jahresniederschlag von 800 mm als fiktiver Wert.
Schritt 1, Jahresertrag: 120 × 0,8 × 800 = 76.800 Liter. Das sind rechnerisch rund 210 Liter am Tag (76.800 ÷ 365).
Schritt 2, Deckung: Der Bedarf liegt bei 89.060 Litern im Jahr. Das Dach deckt damit rechnerisch rund 86 Prozent, bevor Verluste abgezogen werden. Die fehlende Menge und die Phasen ohne Regen muss eine andere Quelle übernehmen.
Schritt 3, Speichergröße: Vier Personen mal 800 bis 1.000 Liter ergeben 3.200 bis 4.000 Liter. Bei 244 Litern am Tag reicht der Tank damit für rund 13 bis 16 Tage ohne Zufluss.
Ergebnis: Ein Tank mit rund 4.000 Litern entspricht dem oberen Richtwert und überbrückt in diesem Beispiel etwa zwei Wochen Trockenheit. Mehr Volumen lohnt sich nur, wenn das Dach im Jahr nachweislich mehr liefert, als der Tank schon heute fasst.
Wann ist der Tank zu klein oder zu groß?
Zu klein ist der Tank, wenn er in Trockenperioden regelmäßig leer läuft und der Gartenbedarf nicht mehr gedeckt ist. Zu groß ist er, wenn das Dach im Jahr deutlich weniger liefert, als er fasst. Dann steht das Wasser lange im Speicher, was die Qualität beeinträchtigen kann. Lassen Sie den Überlauf nach Möglichkeit auf dem Grundstück versickern.
Bei größeren Anlagen empfiehlt das Landesamt, die Auslegung durch eine Fachfirma simulieren zu lassen.
Worauf sollten Sie bei Bau und Betrieb achten?
Die sichere Ausführung entscheidet mehr über den Nutzen als das letzte Liter Volumen. Beachten Sie diese Punkte:
- Keine Verbindung zwischen Trinkwasser- und Regenwassernetz. Alle Leitungen und Entnahmestellen deutlich kennzeichnen und gegen Verwechslung sichern.
- Anzeige: Vor dem Bau teilen Sie dem Wasserversorger die Anlage mit (AVBWasserV § 3 Abs. 2). Bau, Änderung und Stilllegung melden Sie der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde (Trinkwasserverordnung § 13 Abs. 3).
- Feinfilter vor dem Speicher einbauen und den Speicher kühl und dunkel errichten.
- Den Zulauf ruhig führen und die Entnahme knapp unter der Wasseroberfläche oder mindestens 10 cm über dem Boden anordnen.
- Dachmaterial prüfen: Stark belastete Dächer, etwa an stark befahrenen Straßen, sind ungeeignet. Auch Bitumen- und Grasdächer können das Wasser verfärben und sind für Wäsche nicht geeignet. Unlackiertes Kupfer, Zink oder Blei sollten Sie für die Bewässerung von Gemüsebeeten nicht verwenden.
- Vor dem Einstieg in den Tank Abdeckung sichern, den Tank belüften und nie allein einsteigen. Kinder müssen vom Tank ferngehalten werden.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich für einen Regenwassertank eine Genehmigung?
Die Anzeige bei Wasserversorger und Kreisverwaltungsbehörde ist der Mindestschritt. Ob zusätzlich eine Genehmigung nötig ist, hängt von der Gemeinde und dem Bebauungsplan ab. Fragen Sie vor dem Bau dort nach.
Wie oft muss der Regenwassertank gereinigt werden?
Eine feste Frist lässt sich ohne Herstellerangaben nicht nennen. Prüfen Sie Filter und Speicherinneres regelmäßig und halten Sie sich an die Wartungsangaben des Herstellers.
Was ist im Winter bei einem Regenwassertank zu beachten?
Frost kann Leitungen und Tank beschädigen. Entleerung und Frostschutz richten sich nach der Anleitung des Herstellers und den Vorgaben des Planers.
Lohnt sich ein Regenwassertank auch bei einem kleinen Garten?
Das hängt von Dachfläche, Jahresniederschlag und Bedarf ab. Mit der Formel aus dem Abschnitt zum Dach ermitteln Sie den Jahresertrag für Ihren Fall.